Einer der Zuständigen für dieses Gebiet sagte mir mal, 'das größte Problem für den Mainzer Sand sind die Fotografen, die den Mainzer Sand unbefugt betreten'.
Niemand hat jemals einen so größeren und nachhaltigeren Schaden für die Flora dort angerichtet, wie die Verantwortlichen selbst.
Aus Unaufmerksamkeit, und mit zum Teil mit fehlgeleiteten Pflegemaßnahmen, hat man unnötige Verluste besonderer Pflanzen verursacht. Und das, wo es bei solchen gefährdeten Arten auf jedes Individuum ankommt.
Beispiel 1 die ASTLOSE oder TRAUBIGE GRASLILIE: Irgendwann hatte man angefangen die Schafe dauerhaft auf dem Gelände zu belassen statt sie nur zum Weiden hinzuführen. Im herbstlichen Regen haben die sich natürlich einen Sandhügel als trockensten Ruheplatz ausgesucht.
Eine Sanddüne, auf dem der größte Einzelbestand dieser schönen und gefährdeten Art wuchs. Eine Mail an den Chef-Verantwortlichen, um darauf aufmerksam zu machen, brachte nichts. So ging die Dauerbeweidung noch 2-3 Jahre weiter.
Zentnerweise Kot und Urin haben aus dem ehemals lockersandigen nährstoffarmen Hügel einen überdüngten Nitratberg gemacht. Dort wächst nun Unkraut, mit einem dichten Wurzelfilz, für den man eine Spitzhacke bräuchte, um da noch durchzudringen.
Der einst herrliche Bestand der Astlosen Glaslilie ist nun dort leider auf ewig erloschen.
Beispiel 2 die DUFT-SCABIOSE: In einem feucht-warmen Spätsommer wuchsen einmal auf dem Schwerpunktareal dieser Art, die sogar eine "Bundesdeutsche Verantwortungsart" ist, hunderte von kleinen Keimlingen.
Eigentlich hätte man in dem Fall für dieses eine Jahr die Beweidung auf diesem Areal aussetzen müssen, damit diese Pflänzchen zu robusten Pflanzen werden können.
Einmal die Schafherde drüber gelassen und die Scabiosen-Keimlinge waren Geschichte.
Beispiel 3 die SAND-LOTWURZ: Angeblich der einzige Bestand Deutschlands. Aber dafür umso stiefmütterlicher beachtet.
2021 oder 2022 war mal wieder so ein seltenes feuchtes Sommerjahr. Deshalb keimten auch extrem viele Samen der Sand-Lotwurz. Über 50 Keimlinge gab es dort im Herbst. So viele wie nie zuvor und eine einmalige Chance für eine drastische Erhöhung des Bestandes.
Im Frühjahr waren alle Keimlinge weg! - Gefressen von hungrigen Kaninchen, die von Jahr zu Jahr mehr werden.
Da wo es die meisten Keimlinge gab, steht heute nur noch eine einzige mickrige Pflanze. Chance verpasst!
Während man Fotografen und andere Interessierte als die größten Probleme ausgemacht hat, sie vertreibt und mit Elektrozäunen fernzuhalten versucht, hatte man die vielen Kaninchen nicht im Focus.
Die wurden in Deutschland erst vor 500 Jahren eingeführt und gehören damit noch weniger hierher als wir.
Beispiel 4 die KÜCHENSCHELLE, Pusatilla vulgaris. Ebenfalls eine seltene Art. Letzten Herbst habe ich alle Pflanze noch wohlauf gesehen Dieses Frühjahr sind sie größtenteils verschwunden. Trotz eines regenreichen milden Winters und Frühlings.
Ein Teilbestand von gut einem Dutzend Küchenschellen ist, im Herbst noch vorhanden, komplett erloschen! - Und ein riesiger Eselshaufen direkt daneben! Zwei, drei kleinere Gruppen sind ebenfalls verschwunden. Der Hauptbestand ist so stark dezimiert, dass dieses Jahr kaum noch etwas blühte. Ich denke, diese Verluste sind unwiederbringlich.
Die Erklärung dafür: Schafe habe nur im Unterkiefer Zähne, im Oberkiefer ein Knochenleiste. Sie können also nur rupfen.
Esel haben wie wir, oben und unten Zähne und können einer Pinzette gleich die Pflanzen ganz dicht über dem Boden abfressen. Und da die Rosette einer Kuhschelle nicht so dicht am Boden wächst, sind Esel in der Lage auch deren Herzen zu fressen. Was im Allgemeinen den Tod einer Pflanze bedeutet.
Die meisten Küchenschellen waren einmal und sind nicht mehr. So wie die anderen, oben genannten Pflanzen.
Das kommt davon, wenn man Laien mit Pflegemaßnahmen wild herumexperimentieren lässt.
Beweidet man weiter mit Eseln, besorgen die dann dem kläglichen Rest, den sie das letzte Mal übriggelassen haben, den Rest.👎
Es macht mich einfach nur traurig diesen Niedergang auf...
Read moreDer Mainzer Sand ist ein kleines Juwel. Besonders den Kontrast zwischen Hochhaussiedlung und Naturschutzgebiet finde ich sehr schön. Er ist Lebensraum für viele - auch bedrohte - Tier-und Pflanzenarten. So findet man hier viele Falterarten, aber auch Ameisenlöwen, Sandwespen und viele weitere Arten. Knorrige alte Bäume, teils gespalten, teils sogar schon abgestorben, in wunderschönen und vielfältigen Formen. Ein wenig erinnert die Lanschaft an die Lüneburger Heide oder die Mehlinger Heide in der Pfalz. Der Mainzer Sand ist leider durch den geplanten Ausbau der angenzenden Autobahn bedroht. Parlen kann man gut "An der Krim" oder in der "Elsa-Brändtström-Straße". Man sollte nicht im Hochsommer oder an heißen, sonnigen Tagen einen Ausflug dorthin planen. Denn durch die Sandfläche wird es...
Read moreWenn Sie eine weite Anreise haben dann lohnt es sich nicht, dort hinzufahren. Das Naturschutzgebiet liegt direkt neben der Autobahn. Lärm und Gestank. Jugendliche die sich zum Kiffen in die Büsche verziehen, der Parkplatz ist total zugemüllt. Und die Landschaft ist nicht so spektakulär, wie die Bilder erhoffen lassen. Kein Platz für Picknick und kaum Bänke, mit älteren Menschen ungeeignet zu begehen. Ich glaube am meisten Nutzen hat das Gebiet wenn einfach keiner hingeht, dann kann auch nichts zerstört werden. Wenn man aus der Großstadt kommt mag das ein angemessenes Naherholungsgebiet sein, wenn man vom Land kommt ist das Ganze ein Witz. Schade für die gefährdete Tier und Pflanzenwelt, dass man dieses Naturschutzgebiet...
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