Geheimtip! Die Schauweberei Braunsdorf ist wirklich einen Abstecher wert. Im Ehrenamt (!!) hat hier eine kleine Gruppe höchst engagierter Menschen ein wirklich spannendes Industriemuseum auf die Beine gestellt und das dazu in originalen Räumlichkeiten, idyllisch am Wasser der Zschopau gelegen. Man mag sich überhaupt nicht vorstellen wieviele Stunden in den Erhalt dieses Industriedenkmals geflossen sind! Es werden alle Schritte der Herstellung vom Garn bis zum Gewebe sehr anschaulich erklärt. Vom Nachbau eines chinesischen Webstuhls von vor 1200 Jahren über mechanischen Handwebstühle bis zu den absoluten Leckerbissen. Wer selbst als Kind mal gewebt hat, dem ist das Prinzip sicher noch in Erinnerung: Es gibt LÄNGSfäden, die fest gespannt sind und QUERFäden oder auch Schußfäden, die man mühsam mit einer Nadel durch die Längsfäden weben mußte. Einmal oben her und einmal unten her. Soweit so gut. Damit jetzt ein Muster entstehen kann, werden an bestimmten Stellen die LÄNGSfäden hochgehalten. Diese Muster haben sich die Menschen früher gemerkt. Mit dem Aufkommen des mechanischen Webstuhls in England um 1785 werden die LÄNGSFäden in Gruppen angehoben, um Muster zu erzeugen. Um 1805 explodiert diese Technik dann geradezu unter der Hand des ingeniösen Franzosen Joseph-Marie Jacquard (1752–1834). Dieser Sohn eines Webers macht es möglich, dass einzelne LÄNGSFäden angehoben werden. Er entwickelt die sogenannte Einzelsteuerung. Jetzt sind sehr komplexe Muster möglich, wie man sie vorher kaum zu träumen gewagt hat.
Jaquard entwickelt eine Steuerung zur Anhebung der LÄNGSfäden und erfindet dazu eine Schablone, durch die für eine bestimmte Anzahl an LÄNGSFäden das Anheben maschinell geregelt wird. Faszinierend! Durch die beiden Zustände LÄNGSfaden hoch oder LÄNGSFaden nicht hoch (übersetzt in unsere digitale Welt ON oder OFF) liegt zum ersten Mal eine durch eine Maschine lesbare Steuerung der sehr komplexen Abläufe der Stuerung eines Maschinenwebstuhls vor.
Mir war überhaupt nicht klar, dass für ein gutes Jacquard-Gewebe (!!) bei 1,30 m Breite mal locker 15.000 LÄNGSFÄden gespannt werden. Der Querfaden, der mit einem Schlitten im Webfach (Zwischenraum zwischen den LÄNGSFäden die gerade hoch sind und den übrigen LÄNGSFäden die gerade unten bleiben) quer geschossen wird, saust dann für 1 cm Jacquard-Gewebe ca. 45 x von rechts nach links und wieder zurück. Am Ende einer Reihe wird der Faden übrigens nicht abgeschnitten, sondern durch eine pfiffige Führung ober- oder unterhalb des letzten LÄNGSfadens auf seine Reise zurück an das andere Ende der Gewebebahn geschickt. Kenner guter Stoffe blicken als auf den Seitenrand des Gewebes. Ist er einfach nur abgeschnitten, quasi ausgefranst, so wurde nicht auf einem Jacquard-Webstuhl gewebt. Ein riesiger Qualitätsunterschied, denn das Jacquard-Gewebe ist dadurch deutlich länger haltbar. Auf die Art des Faserstoffs,die Feinheit der Garne und deren Farbigkeit, die Anzahl der Drehungen der Zwirne, die Fadendichte von Kette (längs!) und Schuß (quer!) an dieser Stelle mal nicht weiter eingehend. Das muß man einfach selbst vor Ort erlebt haben.
Die Webmaschinen der Schauweberei des Industriemuseums arbeiten noch immer! In liebevoller Wartungsarbeit (u.a. durch die studierte Textiltechnikerin Simone Mende, übrigens der Tochter des letzten technischen Leiters der Weberei Tannenhauser Herrn Egon Mende zusammen mit anderen ehrenamtlichen Enthusiasten) werden die Maschinen weitestgehend funktionstüchtig erhalten. Diesem Engagment gebührt besonderer Respekt! In anschaulichen Dokumenten lassen sich im Museum per QR-Code Ton- und Filmdokumente abrufen, in denen Zeitzeugen von ihrem Arbeitsalltag erzählen.
Wenn sich dann einer der historischen Webstühle in Bewegung setzt – mit einem ordentlichen Lärm übrigens! - so kann man nur erahnen, unter welch’ harten Bedingungen hier früher traumhaft schöne und äußerst haltbare Gewebe produziert werden konnten. Unbedingte...
Read moreAlso wo fängt man an? Meine Mutter ist gelernte Weberin. Mit ihr war ich dort. Ich selbst finde die alte Technik die nun im Jahre 1805 erstmals vorgestellt wurde ja doch interessant. Es hatte sich ja viele Jahrzehnte nichts geändert und aus der Technik der Steuerung ist auch der erste Datenspeicher entstanden. Besonderheit im Museum: Fast alle Anlagen sind betriebsbereit und auch der Stoff der dort bei einer Vorführung erstellt wird ist kaufbar. (Theoretisch zumindest) Für Kinder ist es nicht so das Zielgebiet. Es sei denn es ist eine passende Veranstaltung dort vor Ort. Wir waren an einem normalen Werktag. Wir haben eine Anlage live erleben dürfen extra für uns und es war passend laut. Man glaubt kaum was die Geräte für einen Lärm veranstalten für ein einen Stoff der so weich und leicht ist. Warum nun der Stern weniger?: Wir sind tatsächlich von einer Produktion ausgegangen die noch dort teilweise stattfindet. Wir haben vor Ort nun erfahren dass in den letzten Monaten nur meistens Montags dort etwas gewebt wurde und seit 3 Wochen keiner mehr da war. Also gehe ich davon aus dass die Produktion dort kaum (keine) Aufträge haben wird. Die Anlagen sind noch da und ich denke bei der Möglichkeit einer Führung dort, wird das Ergebnis sicher eine 5 Sterne sein. Ich empfehle die umliegenden Wanderwege dorthin und aber auch die 10 Kostenfreien Parkmöglichkeiten für den Wagen. Fazit: Man sollte sich doch etwas für Stoff oder Teppich interessieren. Bei Veranstaltungen für Kinder ist für Wissen gesorgt. In der "Kantine des Werkes" gibt es natürlich auch Kaffee oder...
Read moreWir, eine kleine Truppe des SIB, waren heute als Wandertag zu Besuch in der Schauweberei und hatten eine tolle Führung durch die Räumlichkeiten. Die Museumsleiterin hat mit sehr viel Engagement sehr viel Interessantes und Wissenswertes zur alten Technik und zur Weberei erzählt, gepaart mit viel Fachwissen, sehr kurzweilig an den Mann, die Frau gebracht. Es war eine angenehme Abwechslung zum Arbeitsalltag, wo Immobilienverwaltung unser Hauptgeschäft ist. Das technische Museum kann man auf jeden Fall weiterempfehlen, geeignet auch für Kinder. Dem Team, welches hauptsächlich ehrenamtlich dort tätig ist und das Museum lebendig werden lässt, wünschen wir alles Gute und viele neugierige,...
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