In vielen meiner Rezensionen gebe ich allerlei Informationen über die Sehenswürdigkeit oder das Gebäude und ziehe zum Schluss mein Fazit. Mit diesem Ort hier ist es anders. Die Wallfahrtskirche „Maria, Königin des Friedens“ oder kurz der „Mariendom“ ist eine ganz besondere Stätte für mich. Sicher, auch andere Kirchen und auch profane Orte haben eine besondere Wirkung. Aber dieses -wie ich es voller Respekt jetzt mal nennen möchte- „unglaubliche Gebilde aus Beton“ hat eine unbeschreibliche Wirkung auf mich. Und als Christ möchte ich hier betonen, dass ich mir dem Zweck dieses Gebäudes durchaus bewusst bin. Darum mein Fazit gleich hier am Anfang: Geht hin und erlebt es ! Sei es bei einem Kurzbesuch, um zu beten, um einen Gottesdienst zu feiern, Mutter Maria zu verehren, oder -mein Highlight- die Feier der Christmette !
Auf dem Hardenberg in Neviges wurde von 1966 bis 1968 ein Kirchengebäude gebaut, wie es wohl keine Entsprechung in der Welt findet: der Nevigeser Wallfahrtsdom, eigentlich „Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens“. Die Wallfahrtskirche wurde vom Architekten Gottfried Böhm entworfen und architekturhistorisch dem Brutalismus zuzurechnen. Und mit angrenzender Sicherheit war der Bau seinerzeit ein brutaler Einschnitt in den Fachwerk-, Barock-, Gründerzeit- Ort Neviges ! Diesen Eindruck kann man auch heute noch bei einem Bummel durch Neviges bekommen. Witzig die mit der Entstehung des Mariendoms zusammenhängende Anekdote, die besagt, dass Böhms Entwurf im vorausgegangenen Architekturwettbewerb nicht den ersten Platz belegt habe, er aber trotzdem auf persönlichen Wunsch des damaligen Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings mit der Ausführung beauftragt wurde. Die Anekdote besagt weiter, dass Erzbischof Frings in seiner Sehfähigkeit eingeschränkt war und die Wettbewerbsmodelle abtastete. Dieser gefiel ihm dabei so gut, dass auf seinen Wunsch ein neuer Wettbewerb mit neuen Vorgaben auseschrieben wurde, der dann zugunsten Böhms Entwurf entschieden wurde. Welch glückliche göttliche Fügung !
Am 22. Mai 1968 weihte Weihbischof Vitus Chang SVD die Kirche. Joseph Kardinal Frings feierte am Tag darauf die Heilige Messe und öffnete die Kirche für die Wallfahrt. Die Kirche ist mit mehr als 6.000 Plätzen nach dem Kölner Dom die zweitgrößte im Erzbistum Köln. Die Wallfahrt wird bis heute von Franziskanern betreut, die auch in der Pfarrseelsorge der Pfarrei Maria, Königin des Friedens tätig sind. Pfarrkirche ist die der heutigen Wallfahrtskirche benachbarte Kirche St. Mariä Empfängnis, die bis 1968 auch Wallfahrtskirche war.
Die Form des Mariendoms wird wie folgt gedeutet. „An die Stelle der festen Burg tritt das Zelt, die Behausung des „wandernden Gottesvolks“; an die Stelle der „geschlossenen Gesellschaft“ tritt die Präsenz auf den „Marktplätzen der Welt“. So gleicht die äußere Form des Gebäudes der eines großen Zeltes.“ Ich empfinde beim Betreten des zerklüfteten Inneren des Mariendoms immer ein Verbundenheit zur Frühzeit des Christentums und den ersten Christen, die ihre Zusammenkünfte oft in Höhlen abhielten. Und hier sehe ich die Parallele; für mich wirkt der Mariendom im Inneren wie eine zerklüftete Höhle.
Besonders hervorheben möchte ich noch die exzellente Akustik im Mariendom, die beispielsweise besonders bei der Feier der Christmette mit Orgel, Chor und Orchester zu...
Read moreImpressive architecture following a complex concept. Enter over the wide path towards a rock of God, enter through the small, cave-like doors into a wide open market place, surrounded by balconies of houses, lighted by street lamps. Look up on the dark folded concrete to a glimpse of a look in eternity. Enjoy the colored concrete by sun light through painted glass windows, changing ranges of colors by the...
Read moreSo völlig verfehlt zu bauen ist auch eine Leistung! Ein ganz unregelmäßiger, unsymmetrischer Grundriss, ein Chor, der, im Dunkeln, schmucklos, auch nicht den Hauch von Heiligkeit ausstrahlt, viel zu kleine Fenster, wie eine Höhle, ohne Sinn, ungeordnet, Nebenräume wie Krebsgeschwüre, willkürlich.
Es stimmt, wer nichts tut hat leicht meckern, aber: Die gotischen Kathedralen, vor 800 Jahren(!) gebaut, werden heute noch bewundert, weil sie mit erstaunlich wenig Material auskamen, und den Lichteinfall meisterlich erdachten und beherrschten. Alle Abmessungen sind biblisch, streng mathematisch, deuten auf eine höhere Ordnung, erlauben, zu staunen, sich zu erheben, vermitteln die Pracht und Größe des Herrn.
Diese unmenschliche, willkürliche, unordentliche, kalte, dunkle, erdrückende Betonmasse tut genau das Gegenteil. Und sie wird ganz sicher, glücklicherweise, nicht die Jahrhunderte überstehen. Es ist eine Schande, für den Sondermüll von morgen so viel Geld auszugeben. Die Kathedralen von Amiens und Chartres werden auch diese widerliche...
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