Eigentlich steht diese Region für mich für tiefsten Osten und quasi schon Ausland und vor allem für - na ja - Eisenhüttenstadt eben, aber nur 6km von dieser (durchaus zu Unrecht) als "Moloch" empfundenen Industriestadt, befindet sich in den Oderniederungen, am Hang der Lieberoser Hochfläche, dem historische Grenzgebiet der (Nieder-) Lausitz zur Mark Brandenburg, tatsächlich eine Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert, die erstaunlicherweise alle Wirrungen der Jahrhunderte und die wechselnden Landesherren und sogar die Reformation überdauerte, dann zur Keimzelle der katholischen "Gegenreformation" wurde und im 17.-18. Jahrhundert schließlich zu diesem barocken Kleinod umgestaltet wurde. Selbst die Profanisierung durch Preußen 1817, der 2. Weltkrieg, mit dem missachteten "Nero-Befehls" Hitlers und die anschließende völlige Ignoranz durch die sozialistischen Machthabern in der DDR, haben dieses Kunstwerk nicht zerstören können.
Seit den 2000er Jahre wurde viel Kraft in die Restauration der Anlage gesteckt und seit 2018 bewohnen sogar wieder Mönche des Zisterzienserkloster "Heiligkreuz" aus Österreich das Gelände.
Ein Tagesausflug ist kaum ausreichend um alle Einrichtungen zu besichtigen und alle Hintergründe dieser Anlage zu erfahren. Schon alleine die Besichtigung der Stiftskirche raubt einem die Sinne, so erschlagend ist der barocke Pomp in dieser Wallfahrtskirche. Zahlreiche Altäre säumen die Säulen - Stuck, Schnitzereien und Allegorien wohin das Auge blickt.
Man muss dieser Kunst nicht mal zugeneigt sein, um sie einfach als überwältigend zu empfinden. Welche Reliquien hier aufbewahrt werden sollen, konnte ich jedoch nicht ergründen. Ein Zeitungsartikel sprach von einer Locke des ehemaligen Papstes Johannes Paul II., die die Verbindung des Ortes mit Polen symbolisieren soll.
Warum ein katholisches Kloster in einem für mich rein als protestantisch empfundenen Teil Deutschlands bestehen bleiben konnte, erklärt sich damit, dass die (Nieder-) Lausitz bis 1635 ein Teil des Königreichs Böhmen war und damit katholisch und das blieb es auch unter dem sächsischen Landesherrn, der als König von Polen auch den katholischen Glauben annahm, anders als die sächsische Bevölkerung. Erst unter preußischer Herrschaft verlor dann das Kloster schließlich seine Funktion, jedoch zum Glück für die Gegenwart kaum etwas von seiner Gestalt und Kunstwerken.
Der ehemalige Kreuzgang gegenüber der Stiftskirche beherbergt heute ein Museum, die die Tradition der Neuzeller Passionsfeste beherbergt und eine als "Tradition der Heiligen Gräber" dargestellte Ausstellung. Da es Eintritt kostet haben wir uns das jedoch erspart, was sicherlich keine gute Entscheidung gewesen ist, da sich so für mich Protestanten nicht erschloss was genau damit gemeint sein könnte.
Hinter dem Gebäude erhebt sich ein Hügel, der heute wieder als Weinberg genutzt wird und als Prozessionsweg für das "Leiden Christi". Hier gönnten wir uns unter dem Kreuz auf dem höchsten Punkt eine entspannte Pause und von hier hatten wir einen schönen Blick über die Anlage, die Oderniederung und den Barockgarten am Fuße der Klostermauern.
Direkt am südlichen Klostertor, außerhalb der Mauern steht dann noch die wunderschöne barocke "Leutekirche" Heiligkreuz, die dem Volk diente und 1817 zur evangelischen Kirche umgewidmet wurde. Leider war sie schon geschlossen, denn auch hier ist die barocke Pracht nicht minder sehenswert, wenn auch evangelisiert.
Zum Abschluss erkundeten wir noch den Barockgarten, der dem Konvent auch als Obstgarten diente. Die strengen Formen und Wege, die beschnittenen Hecken und Busche könnten typischer für diese Epoche nicht sein und ich konnte diesen geometrischen übersichtlichen Formen schon immer...
Read moreDas Kloster Neuzelle ist wirklich einen Besuch wert. Ich würde empfehlen, dafür einen halben bis ganzen Tag einzuplanen, denn es gibt wirklich viel zu sehen und alles ist museal hervorragend aufbereitet.
Der Eintrittspreis für das Kombiticket Kreuzgang und Himmlisches Theater ist mit 8 Euro als günstig zu bezeichnen. Man kann sich in beiden Teilen der Anlage auf jeden Fall jeweils eine Stunde gut aufhalten und wird sich nicht langweilen.
Für den Kreuzgang und das Himmlische Theater kann man Audioguides ausleihen und damit tief in die Geschichte des Klosters eintauchen. Die Sequenzen haben eine angenehme Länge und sind informativ, aber nicht trocken. Den Machern der Ausstellung ist es gut gelungen, alle Infos sachlich korrekt rüberzubringen und dabei trotzdem auch ein Laienpublikum "abzuholen" - das findet man nicht häufig.
Die Exponate im Kreuzgang fand ich persönlich am spannendsten (man hat hier einen guten Mix aus Texten, Alltagsgegenständen des Klosters und Prunkausstattung) und sie waren sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt. Toll finde ich auch, dass man z.B. die Wandmalereien nicht hinter Plexiglas gepackt hat, obwohl die Funde sehr schützenswert sind. Der Kreuzgang ist deshalb vollständig videoüberwacht. Gegen Ende des Rundganges kann der aufmerksame Beobachter an den bemalten Wänden sogar ein paar alte Mönch-Graffiti entdecken (die allerdings im Audioguide nicht erwähnt werden).
Das Himmlische Theater ist ebenfalls sehr sehenswert. Man erfährt viel über den Stellenwert dramatischer Inszenierungen im Barock. (Wer bibelfest und/oder christlich sozialisiert ist, wird die langen Zitate aus den Evangelien und Erklärungen zum Ostergeschehen vielleicht überspringen.) Das Sahnehäubchen der Ausstellung "Himmlisches Theater" kommt ganz zum Schluss, wenn man durch eine Tür in das Innere des Berges geht. Wow-Effekt garantiert. Lasst Euch überraschen!
Die Orangerie schließlich bietet eine schöne Umgebung, um über das Gesehene nachzudenken und bei einem Spaziergang die vielfältigen Eindrücke aus den Museen zu verarbeiten.
Man kann sehr gut einen ganzen Tag auf dem Stiftsgelände verbringen, da sowohl ein Picknicken in der Orangerie möglich ist als auch hochwertige Verpflegungsmöglichkeiten geboten werden.
Die Brauerei habe ich nicht besichtigt und kann darüber nichts sagen.
Der Shop des Museums ist ganz gut und hat auch wissenschaftliche Literatur zum Stift Neuzelle im Programm (aber natürlich auch Regionalia, Wanderführer, Postkarten, Schmuck etc.).
Grundsätzlich eignet sich alles auch für Kinder, aber ich würde nicht sagen, dass sie die...
Read moreDas Kloster und die dazugehörigen Anlagen sind faszinierend. Die Ruhe die davon ausgeht, überträgt sich auf den Besucher.
Das Kloster, mit seiner überwältigenden Architektur kann im Alleingang bewundert werden. Ein Verweilen im Kloster lohnt sich. Liegt Interesse an der Geschichte des Klosters vor, findet man in den ausliegenden Broschüren Antworten. Die anliegenden Museen erzählen in Bild- und Schriftmaterial alles wissenswerte. Jedoch besteht die Möglichkeit, vor Antrittsbesuch, eine Führung für das Kloster und für die Brauerei zu buchen. Besonders zu empfehlen für Reisegruppen. Der anliegende Hofladen bietet sich an, um sich mit den Köstlichkeiten der Brauerei zu versorgen. Rund um das Kloster befinden sich Restaurants, um Durst und Hunger zu stillen. Hier möchte ich anmerken, daß das Preisleistungsverhältnis etwas kritisch zu betrachten ist. Es erscheint mir nicht ganz ausgewogen. Auch wer mit Kindern unterwegs ist, sollte sich vorher über mögliche Angebote informieren. Einkaufsmöglichkeiten, um Alternativen zu anliegenden Versorgungsmöglichkeiten zu finden, sind weit entfernt. Abschliessend: Ein Besuch lohnt sich. Aber ein kleine Selbstverpflegung schadet auf keinen Fall dem Geldbeutel und minimiert den Ärger, daß der Zauber, welcher vom Kloster ausgeht, nicht durch das Umfeld...
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