Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich bereits eine Rezension über die Drogenmühle verfasst und bin nun an einem Montag im Juli zum Mittagessen eingekehrt.
Diesmal habe ich mich für die gefüllte Kaninchenkeule (14,00 €) entschieden. Das Fleisch war zart gegart und dank der Füllung aus in Brunoise geschnittenem Gemüse auch nicht trocken. Die Sauce, die nur zurückhaltend auf dem Teller zu finden war und in mehr als ausreichender Menge vorbildlich gesondert serviert wurde, habe ich also nicht benötigt, um das Fleisch zu schmieren, bevor ich es auf seinen Weg zur Verstoffwechslung geschickt habe. Außerdem kam Meister Lampe als Lieferant für die dunkelbraune Bratentunke ohnehin nicht in Betracht, weshalb ich die vermutlich aus einem Huftier gewonnene Würzbeigabe nur dazu verwendet habe, um den Semmelknödeln einen deftigen Geschmack zu verleihen. Als Bayer hatte ich natürlich mit einer aus Knödelbrot geformten Kugel gerechnet, serviert wurden aber drei große, weiche Hefeteigscheiben, die ich als „Böhmische (Servietten-)Knödel“ kenne. Zugegebenermaßen sind mir diese herzhaften Germknödel hier in der Gegend auch schon als Semmelknödel über den Weg gelaufen, was ich aber wieder verdrängt hatte. Freunde dieser Kloßart wären mit der Beilage wahrscheinlich sehr zufrieden gewesen. Hier war es mein Fehler, dass ich nicht nachgefragt habe. Der mitgelieferte Wirsing war einwandfrei. Nicht zu weichgekocht, nicht zu knackig. Vorsichtig, aber angenehm gewürzt. Für meinen Geschmack war der Teller allerdings deutlich überladen, aber vermutlich mögen es die meisten Gäste lieber so als zu übersichtlich.
Als Nachtisch habe ich mich für die Panna Cotta (4,00 €) entschieden und habe es überhaupt nicht bereut. Eigentlich ist das wohl das einfachste Dessert, das im Prinzip jeder zubereiten kann. Gleichwohl und trotz exakter Mengenvorgaben misslingt die gekochte Sahne sogar in Restaurantküchen immer wieder. Der häufigste Fehler besteht meines Erachtens darin, dass zu viel Gelatine verwendet wird. Die Konsistenz der Panna Cotta sollte derjenigen eines „Budino“ (Pudding) entsprechen, also nicht so weich wie eine Konditorcreme, aber auch nicht so schnittfest wie eine Götterspeise sein. Das hat hier alles perfekt gepasst! Außerdem war auch die Süße sehr angenehm und nicht zu intensiv, was auch häufig der Fall ist. Gefreut hätte ich mich über mehr echte Vanille, aber bei einem Preis von bis zu 1.000,00 € pro Kilo oder ca. 6,00 € je Schote (die für 500gr Sahne = 6 Portionen reicht) ist die Zurückhaltung hier nachvollziehbar. Ganz ausgezeichnet dazu gepasst hat das Beerenobst, das nicht zerkocht oder püriert, sondern nur durch sanfte Wärmezufuhr und gefühlvolle Behandlung gebändigt wurde, so dass es noch in seiner ursprünglichen Form, aber auch mit ausreichend Saft die italienische Süßspeise begleiten durfte. Etwas gestört haben mich lediglich die industriellen Schokoraspeln, die wohl für den Knusper sorgen sollten. Wir bemühen uns ja immer, alle Gegensätze auf einem Teller zu vereinen: warm – kalt, süß – sauer; weich – kross. Gerade die italienischen Dessertklassiker haben das nicht unbedingt nötig und werden in ihrer Heimat oft sehr prosaisch serviert. Aber wenn wir uns an das Yin und Yang der Geschmäcker und Texturen halten wollen, empfehle ich, die Schokoraspeln durch Bio-Kakaonibs zu ersetzen. Die sind nicht nur crunchy, sondern steuern noch eine schöne Bitternote bei.
Der Espresso (1,50 €) ließ sich diesmal erfreulicherweise in einer klassischen dickwandigen Tasse an den Tisch tragen und war noch richtig heiß. Allerdings war auch dieses Gefäß zu hoch befüllt und es mag dahinstehen, ob der Inhalt von einer Espressomaschine hergestellt wurde. Hierauf kommt es letztlich nicht an, zumal vermutlich nicht tagtäglich reihenweise Italiener vorbeikommen, die nach ihrem Lebenselixier lechzen.
Wer auf perfekt zubereitete und angerichtete Speisen verzichten kann, aber in sehr angenehmer Atmosphäre wirklich gut und äußerst preiswert essen und trinken möchte, dem kann ich den Besuch der Drogenmühle weiterhin...
Read moreDie Drogenmühle in Heidenau habe ich vor fast sechs Jahren das erste mal besucht und gehe dort, zwar nicht regelmäßig, aber doch immer wieder gerne hin. Deshalb ist es an der Zeit, in einer kurzen Rezension eine Gaststätte zu loben, die seit fast 20 Jahren besteht, während allein in den letzten fünf Jahren im direkten Umfeld mindesten vier gastronomische Betriebe auf Dauer schließen mussten.
Fraglos lohnt sich der Besuch vor allem im Sommer, wenn man im Innenhof sehr schön verweilen und entspannen kann, wozu auch die zum Haus gehörenden Katzen mit ihrer majestätischen Gelassenheit beitragen.
Die Speisekarte bietet keine kulinarischen Highlights, aber ein umfassendes Angebot an Dauerbrennern der Hausmannskost, sodass jeder etwas nach seinem Geschmack finden sollte. Die Preise sind sehr günstig (Hauptgerichte inkl. kalte Platten 7,00 bis 16,00 €, die halbe Bier 2,80 bis 3,40 €). Besonders erfreulich ist das zwar relativ kleine, aber besondere Weinangebot: neben Hausweinen in allen drei Farben für nur 2,50 € je Viertel gibt es sehr trinkbare Gewächse aus dem Burgenland, die mit bloß 5,00 bis 7,00 € pro Glas (0,2l) unbedingt zu empfehlen sind.
Die Bedienungen wirken hin und wieder etwas überlastet, lassen es aber keinesfalls an Freundlichkeit missen und leisten ihren Beitrag für einen angenehmen Aufenthalt.
Bei meinem letzte Besuch habe ich seit langer Zeit auch mal wieder etwas gegessen und mich für die Pfifferlingen mit Semmelknödeln (9,50 €) entschieden. Die perfekt gegarten und schön deftig gewürzten Pilze präsentierten sich in einer sehr angenehmen natürlichen Soße ohne übertriebene Bindung. Die Semmelknödel waren nach meiner Einschätzung selbst gemacht. Wenn nicht, möchte ich wissen, wo man so gute Convenience-Knödel kaufen kann. Konsistenz und Geschmack waren einwandfrei. Gefreut habe ich mich auch über den Estragon-Zweig zur Deko. Da kann man die Blätter abzupfen und mit Genuss zum Essen verspeisen. In anderen Lokalen werfen sie ja mittlerweile ganze Äste (z. B. vom Rosmarin) auf den Teller, die man wirklich nur noch anschauen, aber nicht mehr essen kann. Völlig sinnlos sind allerdings die zur Deko eingesetzten Obststücke, hier Ananas und Wassermelone. Man fragt sich, was das soll, zumal die Früchte überhaupt nicht zum Essen passen. Bitte weglassen – das kostet nur Arbeitszeit und ist rausgeschmissenes Geld, zumal wahrscheinlich das Meiste davon im Müll landet.
Der Espresso (für sensationelle 1,20 €) wurde in einem Glastässchen gut heiß serviert, das allerdings zu hoch befüllt war, sodass sich der Caffè als etwas zu dünn erwies. Außerdem hat sich die Crema zu schnell verabschiedet. Mein Tip: weniger Wasser und lieber normale als gläserne Espressotassen. Der Williams (3,50 € für 4cl) war leicht gekühlt, was aber nicht störte, zumal er eher von einfacher Qualität, aber durchaus wohlschmeckend war.
Die Drogenmühle bietet sicherlich keine hohe Kochkunst, aber neben freundlich serviertem ordentlichen Essen und Trinken eine Atmosphäre zum Wohlfühlen, die einen hier immer wieder gerne einkehren lässt.
Zu den sehr günstigen Preisen ist noch anzumerken, dass diese durchgängig äußerst fair kalkuliert sind, sodass sich ein sehr stimmiges Preis- Leistungsverhältnis ergibt.
Weil das Gesamtkonzept schon seit Jahren stimmt, gibt’s die...
Read moreUnfassbar unprofessionell. 5 Personen haben Essen bestellt. Eine Vorspeise wurde vergessen. Kam nach Erinnerung nach. Ein Hauptgang war falsch. Wurde korrigiert mit dem Ergebnis, dass wir getrennt essen mussten. Nach Getränkewünschen wurde erst vor dem Aufbruch gefragt. Messer konnten Spargel und Schnitzel kaum schneiden. Das Gericht "Rosmarinkartoffeln mit Speckbohnen und Lamm" war die reinste Katastrophe. Die Bohnen wurden nicht auf dem Teller angerichtet sondern wie mit der Kelle in der Kantine auf den Teller geklatscht. Inkl. Flüssigkeit. Das Lamm war nicht in Scheiben oder Stücken auf dem Teller angerichtet, sondern in zerfledderten Restteilen. Rosmarinkartoffeln, Fleisch, Bohnen lagen über- und untereinander. Die Rosmarinkartoffeln hatten nie Rosmarin gesehen und -das Schlimmste- die Kartoffeln und eine Minisalatgarnitur lagen in der Soße. Wi-der-lich. Wir haben sogleich auf den Umstand aufmerksam gemacht. Ein Mann in Bandshirt und Dreiviertelhose zeigte sich zuständig. Erfahren war er offensichtlich nicht. Auch nicht in der Kundenansprache. Er lehnte sich auf die Lehne des freien Stuhls und widersprach sogleich. "Das ist bei uns die Salatgarnitur". Ach was, das sehen und kennen wir auch- die legt man aber nicht in warme Soße! Das Fleisch werde für den Kunden losgelöst. Ja, das schreibt man dann in die Karte und selbst wenn es losgelöst ist, liegt es doch nicht wie in einem Restehaufen auf dem Teller. Rosmarinkartoffeln serviert man zudem nicht in Soße. Das ganze Gericht war eine Katastrophe und wirklich ungenießbar. So etwas haben wir noch nie erlebt. Der Herr wurde, da keine Antwort kam und er sehr überfordert wirkte, gebeten, das Feedback an die Küche zu geben. Dann kam die Servicekraft, fragte ob es (offensichtlich) nicht geschmeckt habe. Wir erklärten ihr, dass der Kollege Bescheid wisse. Sodann kam die Rechnung inkl. des Lammgerichtes. Wir fragten, ob sie dieses Gericht allen Ernstes berechnen würden. Ja, die Chefin habe es so gesagt. Die Dame konnte nichts dafür. Diese hatte selbst weder den Stil noch die Souveränität, selbst einmal an den Tisch zu kommen. Sie hat sich gedrückt, anstatt das Gespräch (nicht die rechthaberische Diskussion, wie der Dreiviertel-Hosen-Träger) mit dem Kunden zu suchen. Null Professionalität und noch weniger Kundenorientierung. Es ist eher eine Kaschemme als ein Wirts- oder Gasthaus. Jeder Dönerladen bekommt Lamm besser hin. Kritik ist die Chance, sich zu verbessern, aber hier wird diese Chance...
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