Ach, wie goldig das alles wirkt. Warmlicht auf Second-Hand-Möbeln auf Erstweltprobleme geschraubt, eine Spotify-Playlist wie aus dem Social-Media-Sarg und Baristas mit Oberlippenbart, die dir sagen, was du fühlen sollst. „Das ist Hafer, kein Problem, oder?“ Nein, das Problem seid ihr. Ihr und eure Pseudo-Zugewandtheit.
Da steht es also. Wie ein gut frisiertes Denkmal an das, was hätte sein können: Ein Kaffeeladen, der Gemeinschaft atmet, Menschen willkommen heißt. Und was ist es geworden? Ein Clubhaus mit Tresen. Eine Bühne für Eitelkeit.
Die Maschinen surren brav, die Tassen klirren leise, und hinterm Tresen? Eine Garde aus Auserwählten. Vitamin B als Bio-Siegel. Nicht durch Können berufen, sondern durch Geburt in den inneren Kreis. Hier wird nicht eingestellt – hier wird eingeweiht.
Hier fließt der Kaffee nicht aus Leidenschaft, sondern aus Langweile. Du kommst rein – Du bist Statist in deren Selbstinszenierung. Ein Anlass zum Lästern, sobald die Küchentür ins Schloss fällt.
Lächeln wie aus dem Barista Kurs für professionelle Gleichgültigkeit. “Wie schön, dass du da bist” – heißt eigentlich: “Mach schnell, zahl bar, und stell keine Fragen.” Denn wer nicht zum Kreis gehört, ist draußen. Und draußen bleibt man in diesem Laden für immer. Aber sie sind ja hip. Und conscious. Und nachhaltig. Wo Menschen nur zählen, wenn man mit ihnen schon gesoffen hat.
Kuscheln mit dem Inner Circle. Man kennt sich. Man schützt sich. Man lässt sich nichts sagen
Und dann dieses „Kartell“ Ein Wort, das einst mit Ironie kokettierte und nun wie ein dunkler Witz klingt. Ein geschlossener Zirkel, wo Vetternwirtschaft zur Unternehmensphilosophie wurde.
Und der Gast? Der steht mit seinem Flat White am Fenster, fragt sich, warum der Schaum so seelenlos ist und der Blick der Barista so leer. Vielleicht, weil beides aus derselben Quelle stammt: Routine ohne Liebe. Betrieb ohne Geist.
Also, Bohnenkartell, dies ist kein Hatespeech – dies ist Nachruf. Auf eine Idee, die sich selbst verraten hat. Auf eine Crew, die lieber zu sich spricht. Ein Ort, der vorgibt, anders zu sein – und dabei nur exakt das reproduziert, was er zu kritisieren vorgibt: Ausschluss. Attitüde. Arroganz
Vielleicht ändert ihr was. Vielleicht auch nicht. Vielleicht kommt der nächste Kunde rein und sagt: „Hier ist’s irgendwie ungemütlich.“ Und ihr lächelt. Und lästert. Und schenkt ihm noch einen kalten Kaffee nach.
Vielleicht kratzt ein bisschen Wahrheit am Lack der Selbstgefälligkeit. Und wenn nicht?
Dann bleibt ihr eben, was ihr seid: Ein Clubhaus mit gutem Kaffee und schlechten Manieren.
Denn unter der Patina aus Kaffeekunst und Klimasensibilität glimmt ein kleines, fieses Feuer: der elitäre Glanz der Zugehörigkeit. Privilegierte Kids die auf Underground machen.
Kuscheln mit dem Inner Circle. Man kennt sich. Man schützt sich. Man lässt sich nichts sagen
Du bist drin – oder draußen. Und wenn du draußen bist, darfst du zwar rein – aber nur zum Zahlen.
Lächeln serviert, Spott gekocht. Du denkst, du wurdest gesehen? Wurdest du auch. Von hinten, durch den Türspalt, zwischen Kommentar und Augenrollen.
Hier wird nicht nur Essen zubereitet, sondern auch Meinungen. Und du, lieber Gast, du bist nicht mehr als ein Aufhänger für den nächsten Running Gag im Backstage-Bereich.
Du mit deinem Laptop. Du mit deinem Skizzenbuch. Du mit deiner Hoffnung, hier sei ein Ort zum Sein. Falsch Und wenn doch mal jemand fragt, warum der Vibe so fake ist, dann wird er weggelächelt. Oder wegignoriert. Oder schlimmer: Er wird mitleidig angesprochen – als hätte er das Konzept nicht verstanden
Und was bleibt?
Ein Kartell – nicht aus Bohnen, sondern aus Belanglosigkeit. Ein Ort, der vorgibt, offen zu sein, und doch so abgeschlossen ist wie ein Jugendzimmer voll dummer Eitelkeit.
P. S. Und vergeben muss ich einen Stern, ansonsten kann ich die Rezension...
Read moreDas geht an den kleinen Goethe mit der 1-Sterne-Bewertung:
Das Warmlicht auf den Second-Hand-Möbeln ist kein Filter, sondern bewusste Entscheidung. Kein Dekor für die “Erstweltprobleme”, sondern der Versuch, einen Ort zu schaffen, an dem sich jeder wohlfühlt.
Und ja, hier läuft Musik. Manche nennen sie “Spotify-Playlist wie aus dem Social-Media-Sarg”, manche nennen sie atmosphärische Untermalung. Sie ist dazu da, willkommen zu heißen. Auch wenn du offenbar nur bleibst, um zu urteilen.
Der Barista mit Oberlippenbart? Vielleicht ist er Student oder einfach jemand, der Kaffee liebt und seine Miete bezahlt, indem er ihn zubereitet. Kein Hohepriester der Hipness.
Du sprichst von einem „Clubhaus mit Tresen“. Wir nennen es Begegnungsort. Niemand wird hier eingeweiht, sondern eingeladen. Außerdem stammt das Lächeln der Baristas auch nicht aus irgendeinem Skript eines Barista-Kurses – es ist echt und herzlich.
Also, lieber Goethe, dein Text ist schön. Wirklich. Scharf, pointiert und klug beobachtet. Nur dass du vergessen hast, dass zwischen Ironie und Einblick eine Tür steht, die du nie geöffnet hast.
Doch weißt du, was das Ironische ist? Du mochtest es hier. Hast den Vibe gefeiert, den du jetzt sezierst. Damals war es noch „authentisch“, nicht „elitär“. Damals war es noch „Community“, nicht „Clubhaus“.
Vielleicht hat sich nicht das Bohnenkartell verändert, sondern dein Blick. Denn wer sich distanzieren will, findet immer Gründe und wer Nähe verlernt hat, nennt sie „Pseudo“.
Vielleicht siehst du irgendwann, dass hinter dem „Clubhaus mit Tresen“ Menschen stehen, die nichts ausschließen außer deinem Zynismus.
P.S. Damit das hier im Eifer des Gefechts nicht untergeht: Ich komme liebend gern ins Bohnenkartell und...
Read moreBest coffee bar in Essen, absolutely recommended!
Guys love their job and know how to do it. Top flat white and brewed coffee, and a few good cakes too (start with the cheesecake).
They use beans primarily from Tim & Sebastian's roastery in Cologne (who are now producing "Bohnenkartell" branded blends as well), but also feature beans from a guest roastery every month —buy and try!
Hipster ambiance inside, a few seats under the...
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