Der Kaffee ist gut, die Backwaren sind erschwinglich und lecker. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt, warum ich hier fünf Punkte vergeben habe. Die Plätze draußen auf der Straße sind nämlich ein Aussichtspunkt für kommende Schriftstellergenerationen. Von hier aus kann man das Leben rund um den Kiez Kreuzberg und die Sonnenstraße beobachten. Ganz früh am Morgen kommen erstmal die schrägen Nachteulen, die immer noch Drogen im Blut und noch nicht in den Schlaf gefunden haben. Oder überhaupt keinen Schlafplatz haben und froh sind, dass der der etwas sicherere Tag beginnt. Manchmal reden sie vor sich hin; aber das ist meist schwer zu verstehen. Zur ersten Belegschaft gehören auch die Polen, Russen und Rumänien, die über Nacht nach Berlin gefahren sind, um tagsüber einträglichen Geschäften nachzugehen. Beim starken Kaffee erholen sie sich von den Strapazen der Nachtfahrt. Man erkennt sie an der schwarzen Kleidung und den zerzausten Haaren, bei den Frauen an den langen Röcken und den Kopftüchern. Sie wirken wie eine Gruppe von Soldaten, die die Köpfe zusammenstecken und schnell noch die letzten Einsatzpläne besprechen. Wenn sich diese erste Schicht von Besuchern lichtet, werden sie peut à peut ersetzt durch etwas kauzige Gestalten vom Kiez, von Männern, die die letzten Haare über der Glatze zu einem Mozartzopf flechten, von Frauen, die drei kleine Triplehunde in der Handtasche mitbringen und deren Haarbüschel ebenfalls zu Mozartzöpfen mit rosa Schleifen binden. Wenn die Zeit dann auf 10 Uhr morgens vorrückt, werden auch diese Besucher wieder von einer dritten Schicht ausgetauscht. Jetzt kommen die Studienräte, die sich, über diverse Cappuccinos gebeugt, die frei ausliegende ZEIT und drei Croissants gemächlich reinziehen. Sie sind gut erzogen und tragen ihre Kaffeetassen und Teller wieder in den Laden hinein. Sie stellen sie auf der Ladentheke ab, in der Hoffnung, ein kleines Dankeschön für ihre soziale und bedienungsfreundliche Tat zu erhaschen. Ihr weibliches Pendant holt den Schminkspiegel heraus, prüft schon einmal, ob die erste Schicht Schminke im Gesicht gut verteilt ist, korrigiert hier und da, dann holt sie das Handy heraus und telefoniert mit den Enkelkindern oder der Schwiegertochter. Die Telefonate sind ausgiebig und man sitzt selbst in Corona Zeiten noch eng genug zusammen, um noch um den einen oder anderen Sprachfetzen aufzuschnappen. Langsam kann man dann die Lebensgeschichten wie Puzzlestücke zusammensetzen. Wenn dann alle drei Schichten vom Besuchern genug Kaffee getrunken und Backwerk genascht haben, lichtet sich das Publikum. Aber das kann ein völlig falscher und rein subjektiver Eindruck sein, denn dann bin ich auch meistens aufgestanden und meinem Tagwerk nachgegangen. Wahrscheinlich schwemmt das Meer der Ereignisse noch ganz andere Personen und Schichten gegen Mittag, am Nachmittag und am frühen Abend vor und in das Café Filou. Ich erinnere mich dunkel, dass abends ganze Gruppen junge Leute vor dem Lokal saßen und mir den Eingang zu meinem Apartmenthaus versperrten. Sie waren leicht angetrunken aber freundlich und rückten zusammen, um mir den Weg zur Tür frei zu machen. Sicher hat vor hundert Jahren mein Großvater genau in so einem Café in Paris gesessen, um mit seinen Studienkollegen über den aufregenden Besuch im Moulin Rouge und die Erlebnisse beim Flanieren auf dem Boulevard de Clichy zu sprechen. Auch diese Nachtschicht der Besucher im Café Filou wäre also eine genaue Betrachtung wert.
Wenn also der richtige Dichter gefunden wird, um hier Wochen oder Monate seines Lebens mit Kaffeetrinken zu vergeuden, dann wird ein Roman über Berlin entstehen, der Döblins BERLIN ALEXANDERPLATZ in den Schatten stellt bzw in die moderne Zeit holt. In die heutige Zeit, in der die Sonnenallee in Beirut so bekannt ist, wie früher bei uns die Champs Elysees. Und was kann man über ein Café besseres sagen, als dass es der geeignete Standort für einen...
Read moreOne of the serving ladies (black hair, plump) behind the counter is horrible, rude and RACIST. You can’t be running a coffee cafe with such people even if you serve the best breads. Please throw her out. Lecker Schmecker, another bakery just a few meters down the road is much much better and a super sweet lady serving...
Read moreLeider muss ich einen Punkt geben, da man nicht "0" Punkte oder -5 Punkte geben kann. Ich war heute im Café, der erste Kunde und wurde vom mürrischen Inhaber weder begrüßt noch wilkommen geheißen. Bei meiner Kaffee- Bestellung rollte er mit den Augen, ließ sich dann doch dazu herab mir das Getränk per Tastendruck (!!) aufzubrühen und stellte es mir dann auf den 3 Meter entfernten Tresen. Es war kein Kunde im Laden doch war es ihm zuviel mir den Kaffee zum anderen Tresen zu bringen. Natürlich kein Trinkgeld gegeben. Doch: wir Nachbarn sind vor 2 Jahren auf die Straße gegangen und haben Betttücher aus den Fenstern gehangen um Filou den Standort zu sichern und den Laden vor der Kündigung zu schützen! Wenn das der Dank ist? Ich bin fassunglos über die Arroganz (von der man schon oft gehört hat/doch nun durfte ich sie selbst erleben) des Inhabers der sich schlapplacht über die naive dumme Nachbarschaft, die für ihn gekämpft hat. Respektlosigkeit aller...
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