Vorweg, ich wurde kulinarisch noch nie so enttäuscht wie an diesem Abend. Seit Jahren wollen wir ins Rotkehlchen, da wir bis jetzt nur Gutes darüber gehört hatten. Die Einrichtung ist ansprechend und gemütlich. Uns wurde die Cocktail-Tagesempfehlung vorgetragen. Ich wollte etwas mit Minze und Limette, meine Frau nahm die Tagesempfehlung. Ich bekam eine Sektschale mit einem, in meinen Augen, Mojito. Gut, aber leider sehr wenig. Der Cocktail meiner Frau war gut, leider wegen des Sirups etwas zu süß geraten. Vorweg gab es zwei verschiedene Brotsorten von Tollkötter mit Schmand. Im Schmand waren u.a. Senf und Waldmeister. Ich persönlich musste sofort an das Waldmeister Wassereis aus Kindertagen denken. Wir bestellten beide das 6-Gang Überraschungsmenü für je 57€, die dazugehörige Cocktailbegleitung für 38€ sparten wir uns hingegen. Irgendwann kam dann auch der erste Gang, ein Stück Fisch auf der Haut gebraten mit einem Schaum und rote Beete. Sah gut aus und schmeckte. Danach kam dreierlei von der Gurke. Wie kommt man denn auf so etwas? Naja, wenn es gut gemacht ist. Aber es war nicht gut gemacht. Es gab u.a. eine gerollte Gurkenscheibe und eingelegte Gurkenstücke, die aber zunächst vergessen wurden. Dazu gab es eine Art frittierte Linsen-Falafel, die heiß und relativ gut gewürzt war, das war leider auch das einzige an diesem Abend was gewürzt war. Als nächstes kam eine Auberginen-Suppe mit Fenchel und einer Nocke aus Leber und Herz. Die Suppe schmeckte nach nichts, noch nicht mal Salz war drin. Aubergine war überhaupt nicht zu schmecken und ich esse oft Aubergine, kenne und mag den Geschmack also. Die Innereien-Nocke schmeckte nach Fisch und die Konsistenz war fragwürdig. Die Bedienungen waren übrigens nett, es war für sie aber schwer sich die 6-8 Komponenten jedes Gangs zu merken. Freundlichkeit war hier nicht das Problem, das Problem war, dass wir jetzt schon 2,5 Stunden auf den Hauptgang warteten. Vorher gab es aber noch ein Fruchtsorbet/Eis mit Apricot-Likör. WARUM??? Was will ich mit dem "Nachtisch" vor dem Hauptgang und warum war das Sorbet ein eigener Gang??? Nachdem wir zweimal nach unserem Essen fragten, kam dann endlich der Hauptgang. Kaninchen. Jeder weiß, dass an Kaninchen kaum Fleisch dran ist. Es gab hier Kaninchen in mehreren Varianten. Der Teller war lieblos angerichtet und ich konnte kein Konzept erkennen. Alles sah zerfleddert aus. Kleine Fleischstücke wie geschnetzeltes, eine Fleischrolle? kaum definierbar, ein paar Karotten- und Brokkoli Stücke und etwas Bulgur. Darauf hatten wir 2 Stunden und 45 min gewartet? Ich konnte nicht feststellen, was so lange dauern konnte, bis auf den Fisch und das Kaninchen konnte man alles gut vorbereiten. Wir hatten solchen Hunger und dann das. Zudem schmeckte es wieder nach nichts. Total ungewürzt und das sagt jemand, der sogar nur mit Salz und Pfeffer zufrieden ist. Meine Frau konnte das trockene und ungewürzte Kaninchen überhaupt nicht essen, trotz Hunger. Wir wollten direkt den Nachtisch und nur noch schnell raus. Uns wurde gesagt, dass die 6 Gänge immer 3-3,5 Stunden dauern, was auch ok gewesen wäre, wenn das Essen dementsprechend ist. Ich habe italienischen Verwandte und dort isst man auch 3-4 Stunden, aber nicht so, dass man ständig Hunger hat und ewig wartet. Wir hatten einfach keine Lust mehr und waren enttäuscht. Der Nachtisch war auch eher mau, nichts besonderes. Schokomousse und Griesmousse? mit Erdbeeren. Tonkabohnen waren auch verarbeitet und das kam mir sehr wie 2005 vor. Kein Vanilleduft, keine Aromen. Alles lieblos. Alles zusammen für 154€!!!! Preis-Leistung passte überhaupt nicht. Als wir meinten, dass das Kaninchen nicht geschmeckt hat und wir auf alles viel zu lange warten mussten, bekamen wir als Entschädigung einen Getränkegutschein. Leider werden wir dem Rotkehlchen keine zweite Chance geben. Als jemand der gerne und gut isst, wurde gestern mein Herz gebrochen. Zudem war es viel zu teuer und man wurde überhaupt nicht satt. Die vielen guten Rezensionen verstehe ich nicht und hoffe, dass die kleine Küche gestern nur einen extrem...
Read moreMit dem offenen Küchenkonzept und dem Barkeeper oder der Barchefin (mit Hut) hinter einer Mauer von Einmachgläsern werkelnd hat man das Gefühl, ein modern-familiäres Alchemie-Labor zu betreten, nur, dass in den Einmachgläsern keine Körperteile oder Kröten in Alkohol konservierend eingelegt wurden. Die Räumlichkeiten sind mit weiblichen Dekorgeschmack (Männer mögen Strandgutstaubfänger von Sylts Gestaden oder andernorts ja eher weniger) angefüllt und insgesamt zu hell und multipastellig geraten, aber einladend gestaltet. Im Sommer hat man dann das Glück (oder Pech, je nach Uhrzeit), draußen auf unbequemen Gartenstühlen im Busverkehr sitzen zu können, wenn man die Ausdünstungen der Küche nicht in seiner Kleidung mit nach Hause nehmen möchte.
Die Speisekarte ist recht überschaubar. Wohlgemerkt, die Speisekarte. Die Cocktailkarte erschlägt einen an Wahlmöglichkeiten. Ohne Beratung fällt es selbst dem altgedienten Cocktail-Connaisseur schwer, eine passende Auswahl zu treffen. Und das ist genau die Crux. Nichts ist standard, alles ist speziell, jedem halbwegs altem Bekannten werden Tees, Blätter, Wurzeln, Harze, Blüten und weiß die kautzige Kräuterhexe was sonst noch beigemengt. Ein Cocktail besteht im Rotkehlchen gut und gerne auch schon mal aus 14 Zutaten und der Hollundersirup darin wurde sicherlich dann auch unter Gemumel eines keltischen Kultgesanges zur letzten Vollmondnacht angesetzt. Dieser Aufwand schlägt sich natürlich im Preis nieder. Und wie! Ich halte mich daher an eine Flasche Blanc-de-Noir aus einem Spätburgunder zum Preis von zwei bis drei Cocktails. Und das war eine sehr gute Wahl. Die Komplexität der Mischgetränke findet sein Echo konsequent in der Küche wieder. Dort werden in mikroskopisch kleinen Portionen (wohl eher Partikel) die angeblich vielfältigsten Geschmäcker sorgfältig aufeinander abgestimmter Zutaten auf großen Tellerschalen mit einer hausgemachten Kaktusmayonnaisse (oder wars Feige oder eine maledivische Gurkenart? - Ich hab's vergessen.) aufgeleimt, damit der Fahrtwind eines vorbeifahrenden Busses die Vorspeisenkrümel einem nicht aus der Schale wehen kann. Die ersten drei Gänge gerierten sich ähnlich überschaubar und trotz (oder gerade?) wegen der vielen Zutatenextrakte (es müssen Extrakte gewesen sein, denn was uns von der bezaubernden Bedienung wortreich dargebracht wurde, konnte man als solches selbst mit der Lesebrille nicht erkennen) mild und geschmacksneutral. Lediglich in dem Spargelcremesüppchen mit einer Graupeneinlage konnte man am Grund des fruchtzwergegroßen Suppenglasses auf etwas Haptik stoßen, die auf der Zunge Kindheitserinnerungen weckte. Wir aßen ja alle mal Nasenpopel. Der Hauptgang (dreierlei Medaillettes vom Reh an Kichererbsenpürree auf einem unglaublich dichten aber nicht klebrigen Soßenspiegel) hingegen war göttlich, doch leider nach zwei Minuten aufgegessen. Die Nachspeise fiel dafür angemessen portioniert aus, die Creme Brûlée mit gerösteten Sesamkörnermus schmeckte deutlich besser als sie optisch vermuten ließ, das hausgemachte Fruchtsorbet hatte eine schöne säuerliche Note und überzeugte in Konsistenz und Nachgeschmack.
Am Ende kam die dicke Rechnung. Ob sie angemessen war, kann ich nicht beurteilen, ich koche nicht so kompliziert. Aber da man schon nach 21 Uhr drei weiteren Gästen keine warme Mahlzeit mehr anbieten konnte, hat man sicherlich von 17:30- 21:00 Uhr ein schmales Gastrozeitfenster, in dem der Umsatz reinkommen muss. Dies erklärt wohl auch zum Teil die überdurchschnittlich hohen Verzehrpreise für eine Amuse-gueule-Aneinanderreihung, die sich im Rotkehlchen 6-Gänge-Menue nennt. Fazit: Die Crew vom Rotkehlchen ist verrückt! Doch nur Verrückte und Querdenker schaffen Neues. Aber insgesamt überwiegt der Show-Charakter dort (noch) die wahre Kochkunst. Nach meinem nächsten Lottogewinn werde ich sicherlich dennoch einmal vorbeischauen.
Auf dem Nachhauseweg ging ich jedenfalls erst mal bei McDonald's rein. Ich hatte den ganzen Abend ja auch noch...
Read moreDanke für diesen ganz besonderen Abend an unserer Hochzeit!
Wo soll ich anfangen? Der erste Kontakt mit den Inhabern war schon so unglaublich nett, entspannt und professionell. Wir wussten direkt, dass wir mit dem Rotkehlchen eine perfekte Entscheidung getroffen haben um den Abend unserer Hochzeit mit dem engsten Kreis zu feiern. Bei der Planung des Essens wurden unsere Wünsche stark mit einbezogen. Neben Fisch und Fleisch wurden auch sehr ausgefallene, vegane Gerichte gezaubert. Frische, Regionalität (Obst und Gemüse von auserwählten Bauernhöfen der Region) , faire Haltung (offene Kommunikation wo und wie die Tiere gehalten werden) und sehr hohe Qualität sind hier der Standard. Das Essen war erstklassig. Auch die Drinks waren ein Gedicht! Vor allem die Inhaberin kreiert sehr ausgefallene, wunderbare Cocktailvariationen (auch alkoholfrei). Jeder Schluck ist eine richtige Geschmacksexplosion. Neben dem tollen Essen und Trinken haben wir uns hier so willkommen und glücklich gefühlt. Das Personal war herausragend freundlich/höflich/emphatisch und mit richtig viel Freude bei der Arbeit. DAS gibt es wirklich nur noch selten. Ein perfekter Service, der aus dem Herzen kommt. Danke für den wunderbaren Abend bei euch. Ihr seid ein...
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