Die Quintessenz gleich vorab: wir hatten jüngst ein fantastisches rd. zweistündiges Abendmahl und sind uns sicher: was das NIL in den 90ern, das COX in den Nullerjahren, kann das REICHLICH für unsere 20er Jahre werden. Es hat alles, um eine gastronomische Institution zu werden. Wir hoffen, dass es gekommen ist, um zu bleiben! --- Es ist unfassbar, und wir sind nachhaltig begeistert, was für eine wahnsinnige Entwicklung dieses Kleinod mit dem Team um Clemens in ausnahmslos allen gastgeberischen & kulinarischen Facetten seit unserem ersten Besuch kurz nach Eröffnung hingelegt hat. Großes Kino & Chapeau! --- Der Service ist authentisch–herzlich, agiert mit Ruhe und Umsicht. Die Stimmung zwischen Küche und Service wirkt harmonisch und perfekt eingespielt. --- Die Einrichtung ist cozy mit ausgesprochen viel Liebe zum Detail (man sitze nur einmal an Tisch 9 und blicke auf die beiden Hochsitz-Bereiche an Bar und vor der offenen Küche und die dort angebrachten Garderobenhaken), das Lokal gut ausgeleuchtet und die Luft trotz der offenen Küche sehr gut. Hier passt alles und ein ungemein gepflegter, sauberer Eindruck hallt nach. Wäre das Reichlich ein Kerl – es wäre für mich Typ „feiner Kerl“. --- Ja, hier hat sich jemand richtig (gute) Gedanken gemacht. Es ist ein klasse Konzept, aber zwängt den Gast in kein Korsett, sondern hat ihn stets im Blick. --- Das Reichlich spielt in einer Wettbewerbsarena, die es uns Gästen in den letzten Jahren nicht leicht gemacht hat (Tische werden andernorts in stumpfer Taktung und mit maximalem Zeitrahmen vergeben, fast nirgends mehr gibt es eine andere Aufmerksamkeit aufs Haus, Mineralwasser wird zu teilweise unverschämten Preisen von 9 € und mehr angeboten) und oft haben wir uns gefragt: war es das nun wert: weniger als 90 Minuten „air time“ im Restaurant, aber 120, 130 Taler auf der Uhr? --- Im Reichlich saßen wir zwei volle Stunden, wir fühlten uns nicht gehetzt, sondern willkommen. Hier gibt es als „Appetizer“ Schüttelbrot mit Dip. Das Wasser kommt als „flat rate“ (und diese wird ernst genommen!). --- Der Service ist unaufdringlich und unfassbar gut: wir bestellten eine Flasche Weißwein, bekamen die „Standardgläser“ dem Wein entsprechend getauscht, wurden vor Öffnen darauf hingewiesen, dass es die letzte Flasche des Jahrgangs sei und kamen – es war pure Magie – über den ganzen Abend mit dieser Flasche aus. Ole hat wohl regelmäßig nachgeschenkt, und wir hatten immer einen kalten Schluck im Glas, aber eben auch so, dass wir nicht zum Hauptgang in die Bedrängnis kamen: was nun - leeres Weinglas oder eine (offene) Alternative? --- Wobei das bei der, insbesondere für ein vergleichsweise kleines Lokal, üppig bestückten Weinkarte auch kein Drama gewesen wäre. Die Karte hat einen sehr schönen Österreich-Fokus, ist irre gut sortiert und bietet damit auch genug Österreich-Alternativen (Deutschland, Frankreich, Italien). --- Wenn ich auf das schaue, was ich bis hierher geschrieben habe, mag man fast den Eindruck bekommen, das Essen wäre zweiranging. Natürlich nicht! Unsere Gerichte waren qualitativ 1A, sie waren dabei modern interpretiert und schmackhaft gewürzt & angemacht. --- Am vergangenen Mittwoch schaffte es diese Perle, uns nicht nur mit einem recht bescheidenen Mittwoch zu versöhnen, sondern uns nachhaltig zu begeistern. Dafür (und ihre Wiederentdeckung) sind wir sehr dankbar. --- Zur Rechnung wurde uns ein „Schnäpschen“ aufs Haus angeboten. Es ist Jammern auf höchstem Niveau, aber ein Stück Bruchschokolade, eine kleine Mozartkugel oder eben ein mürbiger Spitzbube zum kleinen Braunen wäre uns lieber und… . Ja, was...
Read moreWer meine Rezensionen liest, weiß, daß ich schlechte Erfahrungen ohnehin nicht aufschreibe, was zu dem Eindruck führen könnte, ich würde pauschal alles immer toll finden. Gewöhnlich wäre mir das egal, aber nach diesem schönem Abend ist es mir wichtig zu betonen, daß ich schon selten einen so engagierten Service, ein so gutes Essen und ein so modernes, offenes Ambiente erlebt habe wie heute Abend im "Reichlich". Schon beim hereinkommen sieht man gleich die offene Küche direkt hinter dem Tresen wo emsig gewerkelt wird. Das freundliche Servicepersonal trägt aus gutem Grund Sneaker, denn sie sind beständig auf den Beinen, schenken unaufdringlich nach, haben ihre Kundschaft im Blick, und fragen auch mal, ob man vielleicht noch ein Stückchen Brot für die Soße möchte - ich hatte mal wieder zu schnell gegessen und saß nun vor meinen Soßenresten, und konnte so noch ein bisschen stippen, während der restlich Tisch zu Ende essen konnte. Sowohl die Eierschwammerln wie der Saibling und auch das Kalbsfilet waren absolut göttlich, schön angerichtet, fein abgeschmeckt und durchweg köstlich. Am Nebentisch wurde ein ganzer Saibling Tableside filetiert und serviert mit Ratatouille, da wurde ich fast neidisch auf das köstliche Spektakel. Die Karte ist angenehm übersichtlich, mit dem speziellen Höhpunkt, daß Sonntags großes Schnitzel und Kaiserschmarrn essen ist, mit der Empfehlung zu reservieren. Ich kann es kaum abwarten! Beim Wein verlasse ich mich gerne auf den Rat der Profis und wurde mit einem roten Zweigel nicht entäuscht. Das alles frisch ist sieht jeder, denn wie erwähnt ist die Küche voll einsehbar. 3 Kräfte, 2 Frauen und ein Mann wirbelten ohne unterlaß hin und her und schickten köstliches auf dem Weg. Als am Nebentisch die Vorspeise serviert wurde, und eine Dame sich kurz erheben musste, wurde das Gericht sofort wieder warmgestellt, bis sie zurückkehrte. Toll! Wirklich leidenschaftlicher Service und Stolz auf die österreichische Küche. Der Star des Nachtisches waren die Topfenknödel mit Marillenfüllung, so gut daß unsere Begleiter, die zunächst keinen Nachtisch wollten, spontan ein Tellerchen zum Teilen nachbestellten. Aber auch mein Erdbeerküchlein mit Merengue und etwas Minze war der Knüller. Im Restaurant herrschte eine angeregte Atmosphäre, es war viel los und es wurde viel genossen. Das "Reichlich" ist gerade mal etwas über einem halben Jahr im Viertel, und es ist ein Gewinn für uns, dieses tolle Team bei uns zu haben. Ich hatte leider keine Zeit mehr für einen Cocktail, aber ich durfte die Herstellung anderer Bestellungen an der Bar verfolgen und kann es kaum abwarten, beim nächsten Besuch noch eine kleine Nightcap zu nehmen. Negative Bewertungen über diesen Ort darf jeder getrost den allgegenwärtigen Trollen zuschreiben, hier wird mit Leidenschaft, Freude und hoher Professionalität gekocht und bedient und das verdient gerade bei den schwierigen Bedingungen im Gastronomie Gewerbe Respekt und Anerkennung. Wir haben das Glück, direkt um die Ecke zu wohnen, und ich hoffe, wir bekommen unsere Trägheit besiegt und sitzen baldmöglichst wieder hier, und diesmal an der Theke um noch näher am Geschehen in der Küche zu sein. Für mich der Höhepunkt in diesem düsterem Jahr 2023 bisher, und es wird nicht leicht, dies noch zu übertreffen. Weiter so! Es war...
Read moreVorab: Dies ist eine Bewertung aufgrund eines Abends, der allerdings leider nicht zur Wiederholung einlud. 19:00 Uhr, schon im Eingang fragten wir uns, ob dies eine Bar oder ein Restaurant sein sollte, angesichts der Lautstärke der Musik. Ein Tisch ist besetzt, uns wurde der schlechteste Tisch zugeteilt, nahe der Eingangstür, mitten drin (Irgendwer muss den ja bekommen). Ein freier 2er-Tisch an der Wand war reserviert. Aha, ob man Tische reservieren könne? Nein, das sei leider nicht möglich, man tue sein Bestes um den Wünschen entgegen zu kommen.... Wir saßen ca. 2 Sekunden als dann auch schon gefragt wurde, ob wir schon einmal Wasser bestellen möchten, das taten wir, erfuhren allerdings erst später, dass wir damit eine Wasser-Flatrate erworben hatten. Angesichts der deutlich übersichtlichen Speisekarte ging die Bestellung flott von statten. Die Weinkarte ist "reichlich" und auf den Flaschenverzehr gepolt. Der bestellte Rosé hatte es nicht auf die Karte geschafft. Dann ein Gruß aus der Küche, eine spezielles Brot mit einer Creme, lecker. Die Küche ist offen einsehbar und zeigte Erstaunliches. Von den 4 anwesenden Personen standen 3 am Ausgabetresen und unterhielten sich mit einem Gast, der auf einem Barhocker am Tresen saß. Im Hintergrund wuselte eine Person. Innerhalb von 30 Minuten wurden so 6 Hauptgerichte zustande gebracht. Mittlerweile füllte sich das Restaurant mit Weihnachtsgesellschaften. Spätestens ab dem Zeitpunkt war eine normale Unterhaltung nicht mehr möglich. Das Personal (aufmerksam und freundlich) mußte sich tief zu den Gästen beugen, um mit ihnen kommunizieren zu können. Wir sind angesichts der extremen Lautstärke sofort nach dem Verzehr des Hauptgerichtes (ohne Finesse, nicht warm genug) ohne Dessert geflüchtet. Draußen empfing uns eine wohltuende Stille, selbst der 4spurige Grindelberg konnte uns nichts anhaben. Am nächsten Abend dann im Mazza zum Weihnachtsmenue gespeist. Was für eine Wohltat! Dezente Hintergrundmusik, weit auseinander stehende Tische, man hätte sich fast flüsternd unterhalten können. Ein Genuss. Das Reichlich werden wir wenn überhaupt nur wieder im Sommer besuchen, auf der Terrasse läßt es sich dann bestimmt...
Read more