One of the few public urban spots in which people of uneloquent wisdom and laid back honesty come together. This bar has an open heart for everyone up for a drink and a talk and without much effort (but a myriad of years of experience and tradition) maintains a strict sense of conviviality. The jukebox is inviting. No one ever complained about a musical decision despite the fact that everybody needs to blend into the atmosphere provided by it. It's rare to find yourself free of judgment. Here you learn it intuitively. Part of it are low boundaries and an overall affordability. Some of my best evenings, nights and mornings in this city included a visit of the most nondescript manner. Since it's technically never closed it might look like a routine but it's a challenge to drop by. Even when life around or inside gets tough this is the last place to lose your composure in. Try and try again.
Einer der wenigen Flecken, in denen fast instinktiv Menschen zusammenkommen, die das Leben weise gemacht hat, ohne dass man es ihnen auf den ersten Blick anmerkt. Man bleibt unprätentiös und ehrlich, nimmt alles in allem gelassen. So gehört es sich für eine Kneipe. Und diese hier macht es sich ganz in diesem Sinne zum ungeschriebenen Auftrag herzlich einladend und aufgeschlossen für jede/n zu sein, der/dem nach einem Getränk und einem Gespräch ist. Jahre an Erfahrung sind da zu einer sympathischen Tradition geworden. (Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber man glaubt es gern: die Kneipe ist seit etwa 40 Jahren geöffnet, und zwar durchweg, war also seitdem nie geschlossen.) Es wird Wert darauf gelegt, den Sinn fürs Mit- und Nebeneinander nicht zu verlieren. Die Jukebox lädt zum Stöbern ein und egal worauf die Musikwahl fällt - Beschwerden darüber gibt es in der Regel nicht, sondern viel eher Neugier und anerkennende Blicke, wenn mal etwas aus der Schatzkiste geholt wird. So ungestört und frei von ablehnender Gleichgültigkeit lebt es sich selten. Hier lernt man intuitiv, wie gut das in Geselligkeit geht. Die Einstiegshürden sind gering: die zentrale Lage so ziemlich in der Mitte der Stadt, niedrige Preise, entspannte Atmosphäre und großzügige Öffnungszeiten legen einen Abstecher nahe. Einige meiner besten Berliner Abende, Nächte und Morgen habe ich in der Roten Rose verbracht und manchmal war es unbeschreiblich. Man muss sich dazu überwinden lernen. Im Laden geht es eigentlich immer lebendig zu, doch kaum einmal ist übermäßiger Andrang zu verbuchen. Es ist immer ein Platz frei. Die Herausforderung besteht darin, ihn mit der eigenen Präsenz auszufüllen. Ich empfehle es, sie immer und immer...
Read moreRote Rose, Sonntagmorgen, 9:30 – Wo die Realität kurz die Fassung verliert.
Zuallererst muss es gesagt werden: Dieser Ort – oder besser gesagt dieser Nicht-Ort – ist magisch.
Ein bisschen verranzt, ein bisschen vergilbt, ein bisschen zu lange geöffnet, um noch normal zu sein. Aber genau deshalb echt.
Sonntagmorgen. 6:37 Uhr. Irgendwo zwischen Kotti, Kerngedächtnisverlust und letzten Zigaretten. Ein Barkeeper nickt stumm. Innen ist es warm. So warm, dass man kurz weinen möchte.
Hier feiern sie noch – oder schon wieder. Marketing-Fuzzis aus Friedrichshain mit verklärtem Blick, Taz-Lisas mit Glitzer unter den Augen, Taxifahrer mit leeren Thermoskannen, kleine Theater-Schauspieler*innen, die den Applaus durch Wodka ersetzt haben Und andere wunderliche Charaktere der Nacht, die Berlin manchmal ausspuckt. Und ich – der Typ mit dem weichen, zu langsamen Blick, der immer 9 Millisekunden hinter der Realität herhinkt.
Eine Frau mit zerrissenen Strümpfen, Glitzer im Gesicht und einem ganz eigenen Duft aus Freiheit und leichtem Sarkasmus, fragt mich nach dem 4. Bier: „Du bist aber auch nicht nur auf Alkohol, was?“ Ich will antworten, aber mein Brustkorb pulsiert wie ein zu lauter Subbass. “Ich glaube dein Schmerzkörper ist gerade aktiviert, du gehst durch viele starke Emotionen.” Sie legt die Hand auf mein Herz und flüstert: „Siehst du? Dein Herzchen spricht. Es schlägt ganz laut! :(“.
Ich sag: „Meine Tränen schmecken salzig.“ Sie bestellt uns zwei dieser Shots, deren Name eigentlich auf der Indizierungsliste stehen müsste – und trotzdem jeder kennt.
Ich wünsch mir bei der Jukebox Yung Hurn feat. Baby B3ns – Liebe in Stereo.
9:14 Uhr. Ein Typ mit Leopardenmantel erzählt, er habe seine Masterarbeit über Clubkultur geschrieben, sei aber jetzt doch wieder beim Vater in der Steuerkanzlei gelandet. Ich frage: „Und dein Herz, Bro?“ Er sagt: „Hab ich verlegt.“
9:27 Uhr. Eine Dragqueen singt mit, obwohl gar keine Musik läuft. Ihre Lippen formen Sätze, die nur Engel verstehen.
9:41 Uhr. Ein Typ sitzt in der Ecke und rührt seit zwanzig Minuten mit einem kleinen Plastiklöffel im Nichts. „Das ist mein Anker“, sagt er. „Solange ich umrühre, ist die Welt noch nicht ganz vorbei.“ Dann schaut er mich an und fragt: „Kannst du kurz halten? Ich muss tanzen.“
9:58 Uhr. Ein älterer Mann in zerschlissener Designerjacke flüstert mir zu: „Weißt du, der Kotti ist eigentlich nur ein Symbol. Ein Spiegel. Ein Reim.“ Ich frage: „Worauf?“ Er sagt: „Auf alles, was wir verdrängen.“ Dann streckt er mir eine leere Zigarettenschachtel hin und sagt: „Da drin war mal Hoffnung. Jetzt ist es nur noch Marlboro Gold.“
Und da ist dieser Moment – kurz bevor die Jukebox den letzten Track spielt und draußen das Licht so grell wird, dass man seine eigene Haut nicht mehr erkennt – da bricht etwas auf. Ein Riss im Matrix-Kleid. Ein kleines, echtes Lächeln. Eine Umarmung, die nicht ironisch ist. Eine Träne, die niemand versteckt.
Rote Rose ist keine Bar. Es ist eine Zeitblase. Ein Friedhof für toxische Männlichkeit. Ein Zwischenzustand. Ein postmodernes Beichtzimmer mit Rauchmaschine. Ein Ort, an dem selbst der Schmerz noch...
Read moreIn Norse mythology, Valhalla is a majestic hall in the realm of the gods. It is where Odin, the god of war and wisdom, welcomes the bravest warriors fallen in battle. These heroes spend their afterlife drinking and fighting daily, preparing for the end of the world.
Rote Rose is our own Bar-halla, a dark, smoky haven where a shirtless barman welcomes wandering spirits. It's a kind of purgatory that can overwhelm the unprepared. If you value your life, avoid prolonged eye contact, but step inside and let yourself get carried away by these spirits and you’ll likely have a transcendental experience.
By far my favourite bar on...
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